Die Hauptstraße

Obere Hauptstrasse

 

Die untere und die obere Hauptstraße heute eine Einkaufsstraße bildeten früher ein stimmiges Ensemble. Die meisten Geschäfte befanden sich damals in dem Bereich der heute noch erhaltenen unteren Hauptstraße. Die Kolonienhäuser der  obere Hauptstraße wurden in den 60er Jahren zum Bau von Kaufhäusern abgerissen. Die Geschäftsleute und ehemaligen Landwirte auf der Hauptstraße hatten für das Stadtleben in den zwanziger Jahren eine zentrale Bedeutung. Ihre Geschäfte waren Kommunikationszentralen.

In den Seitenstraßen befand sich auch die  Kolonie 1 und das Ledigenwohnheim. Die Katholische Grundschule in der Schulstraße sowie das 1912 errichtete Feuerwehrhaus sind heute noch erhalten.

 

Die Hauptstraße vor dem ersten Weltkrieg

 

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Vom Marktplatz gehen wir über die Breidenbachstraße bis zum Eingang der katholischen Stadtkirche. Ein Gebäude, das 1927 im Stil der Neuen Sachlichkeit von dem Architekten Bernhard Rotterdam errichtet wurde. Der Glaskünstler Thorn Prikker und der Bildhauer Fritz Klimsch sorgten für eine zurückhaltende, aber hochwertige Ausstattung ganz im Stil der 20er Jahre.

Von der Kirche gehen wir die untere Hauptstraße Richtung Rhein.

Links lohnt ein Blick in die Schulstraße mit altem Schulgebäude etwas weiter unten in der Moskauerstraße befindet sich die alte Feuerwache

auf dem Parkplatz an der Barmener Straße find früher die Häuserzeile der Kolonie 1 an. Die beiden Männerwohnheime standen gleichfalls auf diesem Gelände.

 

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Gibelfassade in der Anmutung des ausgehenden Jugendstiels

Alte Wiesdorfer:Innen berichten, dass die Häuser in der Regel wie folgt gegliedert waren. Zur Hauptstraße befanden sich die Ladengeschäfte, von hier ging es in die hinteren Räumlichkeiten mit Lager und gegebenenfalls Werkstätten: Schuhmacher, Schreiner, Glaser, Drogisten, Apotheker, Bäcker und Metzger. In den zum Teil reich verzierten Vorderhäusern mit Ornamenten des ausgehenden Jugendstils wohnten über den Ladengeschäften in der Regel die Besitzer und noch zwei bis drei Mietparteien. In den Hinterhäusern über den Werkstätten wohnten Gesellen, Verkäuferinnen und sonstige Berufstätige mit überschaubaren Einnahmen. Gerne parzellierten die Besitzer Wohnungen in einzelvermietete Zimmer, in denen junge berufstätige Frauen oder Männer ein Zimmer mieten konnten. Mitte bis Ende der zwanziger Jahre kostete so ein Zimmer ca. 50-70 RM (Reichsmark). Da Wiesdorf rasch expandierte, brachten die Kaufleute auf der Hauptstraße es auch zu einem gewissen Wohlstand: Durch den Verkauf von Waren an ein immer größer werdendes Verkaufspublikum und durch die Mieteinnahmen ihrer Häuser. Da Bayer ein recht solventer Arbeitgeber war, war für die Kaufleute das Problem des Anschreibens und der säumigen Kundschaft überschaubar.

Zwischen den Geschäften gab es Cafes und Gaststätten, in denen man sich gesellig zusammenfinden konnte.

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 Metzgerei Odenthal 1930

Wichtige Geschäfte:

  • Kleidergeschäft Braun 
  • Metzger Odenthal (Einstellung folgt)
  • Haushaltswarengeschäft Knipper
  • Stoffgeschäft Engel
  • Lebensmittel Meise, Bäckerei Schöneberg, Elleroth
  • Schuster und Schuhgeschäft Herkenrath

Für die Stadtentwicklung wichtige Gebäude

In der Schulstraße befindet sich noch heute die ehemals katholische Grundschule, die 1909 gegründete katholische Mädchenschule (heute Gemeinschafts-Grundschule).

Das Gebäude der alten katholischen Grundschule

Die ehemalige katholische Grundschule

In unmittelbarer Nähe der Hauptstraße befand sich die 1912 errichtete alte Feuerwache in der Moskauer Straße. In diesem Haus trafen sich Männer zu Übungen, aber auch die Gesangsvereine nutzten das zentral gelegene Feuerwehrhaus gerne für Gesangsübungen und Proben. Rechts, in der Moskauer Straße befindet sich die alte Feuerwache von Wiesdorf mit einem hohen Turm zum Aufhängen von Schläuchen.

Feuerwache Wiesdorf heuteFreiwillige Feuerwehr Moskauer Straße 1903Feuerwache Wiesdorf 1903 - Löschzug

 Das 1912 errichtete Feuerwehrhaus, Treffpunkt der Freiwilligen Feuerwehr, aber auch der Gesangsvereine zum Proben

Dort wo heute die roten Backsteinbürogebäude sind, stand früher zwischen Moskauer und Elberfelder Straße die 1895 errichtete Kolonie I oder Kolonie Julia, benannt nach Julia Bayer. Die sehr einfachen Häuser aus rotem Backstein waren für umgesiedelte Arbeiter aus Wuppertal gebaut. Schmückende Dekors oder auflockernde Gärten fehlten in den kasernenartigen Gebäuden.

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Im Gedanken ans Einkaufen bei Kaufhaus Gebrüder Braun glitzern die Augen der Leverkusenerinnen …

Einkaufen im Kaufhaus Gebrüder Braun, das war für die Leverkusenerinnen ein Erlebnis, wenn man etwas besonders haben wollte berichten Teilnehmerinnen mehrerer Stadtspaziergänge. Gerne erinnern sich die Frauen „Hier habe ich mein Hochzeitskleid gekauft“, „die Kleider passten immer, da es eine professionelle Schneiderei gab, die Figur gerecht abänderte“ oder „die Qualität der Stoffe stimmte, und so konnte man die guten Stücke über Jahre tragen“. 1889 eröffnete der Wuppertaler Kaufmann Heinrich Braun am Kirchplatz das erste Geschäft. 2018 verkaufte die Familie das Ladengeschäft; eine Ära von über 120 Jahren ging zu Ende.

 

Die Familie Braun in Leverkusen

Heinrich Fridolin Braun, Sohn der Eheleute Johannes Braun und Wilhelmine Eller, wurde am 20. September 1864 in Wuppertal Beyenburg getauft. Er besuchte die Elementarschule und anschließend die Höhere Bürgerschule in Schwelm. Aus der Familientradition heraus begann er im Alter von 17 Jahren mit einer Kaufmannslehre in Erkelenz. Anschließend sammelte der junge Kaufmann weitere Erfahrungen im Führen der Geschäftsbücher, in der Korrespondenz mit Handelskammer, Geschäftspartnern und Kunden. Auf Geschäftsreisen lernte er Verhandlungen zu führen und Waren einzukaufen.

Im Januar 1889 beschloss Heinrich Braun sich in Wiesdorf eine eigene Existenz aufzubauen, weil er erfahren hatte, dass die Firma Bayer von Wuppertal an den Rhein nach Wiesdorf ziehen wollte. Konkurrenz gab es dort noch nicht. Der Bedarf an Oberbekleidung war absehbar gegeben.  Er bezog im alten Dorf ein Haus in der Nähe der Kirche St. Antonius und veränderte für sein Geschäft die Fassade des Hauses. An der Stelle zweier Fenster gab es nun ein großes Schaufenster. 1895 war das das erste Schaufenster in Wiesdorf in dem sich die Kunden Stoffe, Kurzwaren, Bekleidung anschauen konnten. Die Familientradition war den Brauns so wichtig, dass der schon in Beyenburg verwendeten Namen Gebrüder Braun für das Geschäft blieb.

Heinrich Braun erfuhr frühzeitig den Standort, wo die Firma Bayer eine Kolonie bauen wollte. (heutiger Bereich Elberfelder und Barmer Straße) und wie der Verlauf der verlängerten Hauptstraße geplant wurde. Vorausschauend kaufte er ein großes Feld in östlicher Richtung, angrenzend an die geplante Kolonie. Überliefert wurde der häufig geäußerte Satz: „Was macht der Kaufmann Braun da oben in den Feldern?“

Um 1900 wurde das Feld zum Bauen erschlossen. Heinrich Braun ließ es parzellieren und verkaufte mehrere Grundstücke, z. B. Hauptstraße 89 an die Goldschmiede und Uhrenmacherfamilie Rötzel. Mit dem Verkaufserlös baute er für sich das Haus Hauptstraße 91 als Wohn- und Geschäftshaus und einige Jahre später auch das Haus Hauptstraße 87.

Auf dem Foto ist erkennbar, dass im Zeitraum 1905 bis 1912 die Häuserreihe an der Hauptstraße vollständig fertiggestellt war und die Bayer-Kolonie schon bestand.

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Häuserreihe Hauptstraße mit Bayer-Kolonie im Hintergrund

Familie Braun lebte nun mit vier Kindern (Tochter Käthe und die drei Söhne Hugo, Edmund und Leo) auf der Hauptstraße. Nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1934 zog die Witwe Adele mit der Tochter Käthe und dem Sohn Hugo nach Waldniel, wo Hugo Braun gleichfalls ein Textilgeschäft aufbaute. Edmund Braun erbte das Haus Hauptstraße 87 und eröffnete später, das heute nicht mehr bestehende Modehaus Braun am Marktplatz in Wiesdorf.

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Das Ladengeschäft auf der Hauptstraße 91

Obwohl er der jüngste Sohn war, übernahm Leo Braun auf ausdrücklichen Wunsch seines Vaters das Geschäft zusammen mit dem Gebäude in der Hauptstraße 91. Hierfür wurde Leo gut ausgebildet, machte am Aloysianum in Opladen das Abitur und wurde wie seine Vorfahren Kaufmann. Im Geschäft seines Vaters lernte er Helene Orbach kennen, die eine ausgebildete Kaufmannsfrau war. Er heiratete sie noch bevor der Vater starb. Vorausschauend kauften Leo und Helene das Grundstück neben der Herz-Jesu Kirche, um dort für den ständig wachsenden Ort Wiesdorf ein größeres Geschäft zu bauen. Der Beginn des 2. Weltkrieges verhinderte die Realisierung der Pläne.  Leo wurde als Soldat nach Russland eingezogen, Seine Ehefrau Helene führte mit drei kleinen Kindern das Geschäft alleine weiter. Zur Unterstützung bekam die tüchtige Kauffrau lediglich ein Pflichtjahrmädchen für die Beaufsichtigung der Kinder zugeteilt.

Es kam noch schlimmer. Anfang 1945 wurde das Haus Hauptstraße 91 durch einen Bombentreffer zerstört. Bis zum Wiederaufbau konnte die Familie in einer Wohnung des Bruders Edmund in der Hauptstraße 87 unterkommen. Das Geschäft wurde in einen bestehenden Flachbau auf dem vor dem Krieg erworbenen Grundstück neben der Herz-Jesu Kirche weitergeführt.

Im Jahre 1957 konnten Leo und Helene Braun dann den Plan eines großen Kaufhauses verwirklichen, den der Ausbruch des Krieges vereitelt hatte. Für die Bauphase wurde das Geschäft noch einmal in die Ladenlokale der wiederaufgebauten Hauptstraße 91 verlegt.

Das neue Kaufhaus wurde 1959 eröffnet. Es enthielt auf drei Etagen Abteilungen für Damen- und Herrenbekleidung, Kinderbekleidung und Kinderwagen, Stoffe und Kurzwaren. In einem Atelier konnten Kleidung geändert und Gardinen genäht werden. In der ersten Etage gab es ein Bistro, in dem Mittagessen und für den Nachmittag Kaffee und Kuchen angeboten wurden.

Das mit Klimaanlage, automatisch versenkbaren Türen und sonstigen für jene Zeit nicht alltäglichen Attributen ausgestattete und von der renommierten Aachener Architektengruppe Pielen konzipierte Haus gehörte zu einem der modernsten der weiteren Umgebung. Für die Wiesdorferinnen war allerdings das Besondere, „dass es oft zu den edlen Kleidern passende Stoffe zum selber nähen gab. So ließen sich im Rahmen eines überschaubaren Budgets z. B. passende Blusen und Tops zum Kostüm selber nähen, alles passte dann auch mit kleinerem Geldbeutel perfekt zusammen“, berichteten die Frauen auf den Stadtspaziergängen. Tatsächlich war die Nähkompetenz in der Stadt gut entwickelt, da die Frauen in der Hauswirtschaftsausbildung oder im Erholungshaus die Grundlagen des Nähen erlernt haben.

Jahrzehntelang war das Kaufhaus Gebrüder Braun neben dem Bayer Kaufhaus das größte Geschäft in Leverkusen mit einer Verkaufsfläche von 1860 qm und rund 160 Beschäftigten.

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Kaufhaus Braun auf der oberen Hauptstraße die damals noch keine Fußgängerzone war. Der Kaufhof war noch nicht erbaut.

Helene und Leo Braun hatten 6 Kinder. Als die Eltern sich 1969 vom Geschäft zurückzogen, sollte der älteste Sohn, Manfred Braun, ebenfalls als Kaufmann ausgebildet die Leitung des Kaufhauses übernehmen. Manfred Braun änderte aber seine persönlichen Pläne und das Kaufhaus wurde noch im selben Jahr an die Bonner Firma Rudolf Jeckel GmbH verpachtet, die den Firmennamen Gebrüder Braun aber weiterhin benutzte. 1985 wurden Friedrich Pfleger und Helge-Junge Wentrup Pächter des Kaufhauses und nannten es 7th Main Street. Nachdem Helge-Junge Wentrup starb, wurde das Geschäft mehrere Jahre von Friedrich Pfleger alleine geführt.  Als dieser aus Altersgründen das Geschäft aufgab, entschied die Familie, das Kaufhaus zu verkaufen. Der Verkauf erfolgte im Jahr 2018. Das Kaufhaus firmiert heute unter dem Namen Olymp & Hades und ist Eigentum von Berthold Görgens.

 

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Aktuelles Foto vom ehemaligen Kaufhaus Gebrüder Braun

Der Beitrag wurde von Angelika Hussels und Ellen Lorentz verfasst.

 

 

Der Wandel einer Geschäftsstraße

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Die Hauptstraße heute

Die Hauptstraße, die heute vom Kirchplatz am Rhein bis zur Rathausgalerie führt, hatte in den zwanziger Jahren ein völlig anderes Gesicht. Auf der Seite Richtung Wöhlerstraße, wo heute der Kaufhof und andere Kaufhäuser stehen, standen 160 beschauliche Kolonienhäuser. Bei den Häusern auf der gegenüberliegenden Seite gibt es noch vereinzelte ältere Gebäude, die damals schon Einzelhandelsgeschäfte, Cafés, Metzger und Bäcker beherbergten. Der zum Kaufen und Treffen wichtige Straßenabschnitt befand sich jedoch im Bereich zwischen Breidenbachstraße und Kirchplatz. Gerade wegen der Ledigenwohnheime waren hier viele junge Menschen unterwegs. Früher war die Hauptstraße eine beliebte Einkaufsstraße. Mit der Umgestaltung der Einkaufscity in den 60er und 70er Jahren stieg der Ladenleerstand in der Hauptstraße. Diese historischen Häuser sind zum großen Teil noch vorhanden.

 

Das Ledigenwohnheim und die Kolonie 1

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Eine Wasserpumpe im Bereich der unteren Hauptstraße vor dem 1. Weltkrieg, Kolonie Julia an der Moskauer Straße

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Die beiden Ledigenwohnheime, die Ende der 60er Jahre abgerissen wurden

 

Am Ende der Siedlung standen zwei Ledigenwohnheime für Saison- und Jungarbeiter von Bayer. Der Komfort im Haus II war niedrig, Mehrbettzimmer für insgesamt 220 Personen üblich. Das Haus I war komfortabler und zum Teil mit Einzelzimmern ausgestattet. 181 Mann fanden hier ein Quartier. In die 1 durfte nur einziehen, wer sich bereits nach Einschätzung der Aufseher im Haus II bewährt hatte. Ausgeschlossen wurden „Hautkranke, Bettnässer, Säufer, Bummler, Unsittliche und Streitsüchtige“.  Bis in die 70er Jahre standen die sehr in die Jahre gekommenen Heime und beherbergten zunächst Flüchtlinge, dann Gastarbeiter, die hier unterkamen, bis sie ihre Familien nachholten und familiengerechtere Wohnungen bezogen. Als in den 70er Jahre die roten Backsteingebäude errichtet wurden, entstanden hier auch wieder Lehrlingswohnheime.

Hier geht es zur Familiengeschichte des ersten Aufsehers im Ledigenwohnheim https://www.lev-touren.de/index.php/golden-twenties-aussenstellen/kolonie-johanna

Diese Arbeiterkolonie wurde in den 70er Jahren abgerissen, lediglich die Namen Moskauer, Elberfelder und Barmener Straße erinnern an die drei ersten Werksstandorte der Bayer AG.

 

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Audio: Wohnen im Ledigenheim - Karl der Elektriker

 

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Audio: So schaffte Bayer eine funktionierende Belegschaft im Ledigenheim

 

Haushaltsführung der berufstätigen Frau

Energie sparen mit der Kochkiste durchgetaktetes Zeitmanagementmessbecher

Tipps für die Junggesellin in Untermiete: Energie sparen mit der Kochkiste und ein durchgetaktetes Zeitmanagement (Zeitschrift des Vereins für weibliche Angestellte 1932)  Kochkiste, Heinzelmännchen Compagnie GmbH, Berlin, 1920-1929, Holz, Metall, 40 x 70 x 36 cm, Inv.-Nr.: eu 04/9000  (quelle Museum LVR)  Ein Messbecher für verschiedene Kochzutaten.

In den zwanziger Jahren wurde das Kochen Thema zahlreicher Fachbücher

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Vegetarische Küchekochbuch fuer die moderne fraukochbuchgaskueche

Kochkisten sind eine Erfindung aus dem ersten Weltkrieg. In die gut gepolsterte Kiste kam z. B. ein warmer Topf mit Eintopf. Durch die gespeicherte Wärme köchelte das Essen lange vor sich hin, ohne dass Energie benötigt wurde. So eine Kochkiste war z. B. praktisch für die berufstätige Frau. Morgens kam das Essen in die Kiste, abends nach der Arbeit war es gar, ohne dass man eine Herdstelle benötigte.

Ein Behältnis aus Holzbrettern wurde mit einer dicken Schicht aus wärmeisolierenden Materialien z. B. Heu, Stroh Holzwolle Kork aufgepolstert. In ein mit Zink ausgeschlagenes Loch kam der Topf und die Kiste wurde mit einem gepolsterten Deckel verschlossen. Die Speise wurde vorher auf einer Elektroplatte vorgekocht. Während der Abwesenheit konnte nichts anbrennen.

Solche Kochkisten wurden berufstätigen Frauen, die ein Zimmer bewohnten empfohlen. A) um Zeit zu sparen und B) sich mit bescheidenen Mitteln ein Essen zuzubereiten.

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Audio: Das Leben junger Wiesdorferinnen - Lizzy die Sekretärin

Passend zu den Hilfsmitteln wurden Kochbücher und Ratgeber für den Minihaushalt der berufstätigen Frau entwickelt. Besonders empfohlen wurde für diese Zielgruppe die vegetarische Küche. Auch in Wiesdorf öffnete in den zwanziger Jahren das erste Reformhaus.

Ein Bürofräulein mit BubikopfEin Einzelhandelsregal mit typischen Produkten für den Junggesellenhaushalt

 Ein Bürofräulein mit Bubikopf (Foto Archiv Lorentz), ein Einkaufsregal mit Produkten, die wir heute noch kennnen

 Typische Produkte für die schnelle Junggesellinnenküche waren Maggiwürze und Brühwürfel. Heißes Wasser aufbrühen, etwas Gemüse und ein Ei als Einlage füllten den Magen für kleines Geld. Das Essen konnte auf einer Elektroplatte oder mit einem Tauchsieder hergestellt werden. Hinzu kam die Würze. Sie machte fades Essen sehr preisgünstig schmackhaft.

 typischen Produkten für den Junggesellenhaushalt, Maggiwürze, Migränetabletten und Aufnahme eines Junggesellinnenzimmers (eigene Aufnahmen E.L.)

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Bett, Tisch Sammeltassen und ab Mitte der 20er Jahre Butterdose und Kaffeekanne  aufgenommen im Kolonienmuseum  Anmustungen aus dem Untermieterzimmer

Der Schweizer Unternehmer Julius Maggi hatte bereits in den 1880er Jahren Zusätze zur einfachen Herstellung von Suppen und Saucen für Berufstätige entwickelt. Mit einem hohen Salzanteil war die Würze unbegrenzt haltbar. Bereits um 1900 war die Marke mit der braunen Flasche und dem gelben Etikett international vertreten.

Trotz des kurzen wirtschaftlichen Aufschwungs Mitte der zwanziger Jahre waren Strom und und Elektrogeräte teuer. Auch in Wiesdorf waren nur ein Teil der Häuser mit elektrischem Strom ausgestattet. Häuser von Handwerkern, die für die Arbeit und das Ladengeschäft Strom benötigten gehörten zu den ersten Häusern, die elektrisch ausgestattet waren. Daher konnten die modernen Geräte auch von jungen Berufstätigen, die in Zimmern zur Untermiete wohnten, genutzt werden. Das machte sie etwas unabhängiger von Kantinen, Cafès und Restaurants.

 

Fotoserie Koloniemuseum

Elektrische Teekanne, WMF-Toaster Rowenta, Tauchsieder und elektrisches Bügeleisen. [Bilder folgen noch]

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Mit dem elektrischen Wasserkocher ließen sich Tee, Kaffee und Suppen brühen oder das Gemüse blanchieren. Im normalen Haushalt galt die Schnellküche mit Elektrohelfern als zu teuer. Der Toaster gab sogar älterem Brot eine frische, knackige Note. Das war interessant im Junggesellinnenhaushalt, da nicht so viel Brot gegessen wurde.

Das elektrische Bügeleisen war gleichfalls ein wichtiges Gerät für Berufstätige Frau. Um stets korrekt aufzutreten, konnte schnell der Kragen, die Bluse oder der Rock zeiteffizient aufgebügelt werden. In den Zeitschriften für berufstätige Frauen (Verein weiblicher Angestellter) tauchten gleichfalls die ersten Anleitungen für das Zeitmanagement der Effizienten Haushaltsführung neben dem Beruf auf. Sie reflektieren, dass die Frauen mit geringem Budget adrett angezogen Beruf und Haushalt bewältigen mussten.

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Video: Doris schreibt

 

Haus Breidenbach um 1954Bäckerei Odenthal

Auf der unteren Hauptstraße gab es in den zwanziger Jahren noch zahlreiche Bauernhöfe. die sich mit Ladenlokalen und Handwerksbetrieben auf der Höhe des Kirchplatzes abwechselten. Heute stehen hier moderne Mietshäuser

 

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